"Fesche Lola, brave Liesel"

Musikalische Lesung von Heinrich Thies und Johnny Groffmann am 02.03.2018

Der Autor Heinrich Thies beschäftigt sich mit einer großen Deutschen. Eine Preußin mit Bezug zur Heide-Region. Die berühmte Schauspielerin Marlene Dietrich war kein Einzelkind, wie sie selbst lange Zeit behauptet hat. Ihre ältere Schwester Elisabeth lebte nach ihrer Heirat mit dem Theatermanager Georg Hugo Will bis zu ihrem Tod 1973 in Bergen-Belsen.

Der Autor unterhielt das Publikum über zwei Stunden mit Vortrag und Gesang über Leben und Schicksal der zwei doch so unterschiedlichen Schwestern – Lebenswege, die unterschiedlicher kaum sein können.

Marlene, die Jüngere, selbstbewusst, kontaktfreudig, musikalisch, bisexuell -

Elisabeth, die Ältere, genannt Liesel, schüchtern, brav und bodenständig.

Marlene wird Sängerin und Schauspielerin, ihre Schwester Lehrerin.

Beide heiraten, bei beiden scheitert die Ehe - nach einem Jahr bei Marlene, nach dem Krieg bei Liesel.

Marlene lässt sich schon bald auf neue Liebschaften ein, mit Männern und Frauen, die Liste ihrer Affären ist lang und voller berühmter Namen - Jean Gabin, John Wayne, Edith Piaf...

Liesel wird nach dem Krieg von ihrem Mann verlassen und lebt fortan alleine. Beide bekommen je ein Kind, Marlene eine Tochter, Liesel einen Sohn. Die Wege der Schwestern trennen sich, als Marlene - durch den Film "Die fesche Lola" über Nacht zum Star geworden - in die USA auswandert und später sogar die amerikanische Staatsbürgerschaft annimmt.

Während des Zweiten Weltkrieges tritt sie als Truppenbetreuerin vor amerikanischen Soldaten auf.

Zuhause in Deutschland betreiben Liesel und ihr Mann ein Truppenkino in Belsen für Wehrmachtsoldaten und SS-Offiziere aus dem Konzentrationslager. Nach Kriegsende kommt es im Lager Belsen zu einem Treffen der beiden Schwestern.

Marlene ist von den Umständen so peinlich berührt, dass sie fortan die Existenz ihrer Schwester verleugnet und Liesel verbietet, sich als ihre ältere Schwester zu offenbaren. Gleichwohl unterstützt Marlene ihre Schwester großzügig bis zu deren Tod im Jahre 1973 - wie sie auch ihrem Ex-Mann immer wieder unter die Arme greift.

Marlenes Leben verläuft gleichwohl auch nicht nur auf der Sonnenseite des Lebens.

Ein Versuch, nach dem Krieg wieder in Deutschland Fuß zu fassen, scheitert, sie wird als "Verräterin" angefeindet. Wenngleich sie nach ihrer Film-Karriere noch lange bis ins vorgerückte Alter als Sängerin auf Tournee geht, beendet sie ihre öffentlichen Auftritte, als sie (ein zweites Mal) volltrunken in den Orchestergraben von der Bühne stürzt. Von da an lebt sie zurückgezogen bis zu ihrem Tod 1992 in ihrer Wohnung in Paris.

Heinrich Thies und sein Begleiter lockern den Vortrag mit den bekanntesten Liedern Marlene Dietrichs auf, die Thies selbst intoniert. "Davon geht die Welt nicht unter" oder "Schöner Gigolo, armer Gigolo" und natürlich "Lili Marleen". Auch das Publikum singt mit – Thies hat die Texte im Saal verteilt.

Der Abend klingt aus mit Marlenes größtem musikalischem Erfolg:

"Sag mir, wo die Blumen sind..."

 

Heinrich Thies, in Hademstorf geboren, ist ein deutscher Schriftsteller und Journalist. Er studierte Germanistik, Politik, Philosophie und Journalistik.

Seit 1989 ist Thies Redakteur bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

1991 wurde er mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet.

Der ehemalige Gymnasiallehrer ist Mitglied des Friedrich-Bödecker-Kreises.