Ein Streifzug durch die Geschichte von Amelinghausen

Vortrag von H.-F. Müller am 10.01.2018

Die älteste urkundliche Erwähnung von Amelinghausen stammt aus dem Jahr 1236. Sicherlich ist der Ort älter, da die Billunger im 10. Jahrhundert in unserer Gegend große Besitzungen hatten und das Dorf vielleicht nach dem Bischof Amelung von Verden benannt worden ist. Im Zuge der Christianisierung nach dem 9./10. Jahrhundert wurden viele Klöster als Zentren der geistlichen Präsenz bzw. Macht errichtet. Wenn es in Amelinghausen kein Kloster gegeben haben soll, so gab es zumindest einen Klosterhof. Es ist überliefert, dass 1398 nach einem Brand die Mönche das Dorf verlassen haben und nach Lüneburg gezogen sind. Im Zuge der Christianisierung hat auch eine Kolonisierung stattgefunden. Viele Dörfer bekamen die Endung -hausen.

 

Ab dem 13. Jahrhundert versuchten die Könige bzw. Herzöge ihre politische Macht gegenüber der Kirche auszubauen. Die neu errichteten Vogteien waren politisch effektiver strukturiert als die germanische Go*-Verwaltung. Kurz erwähnt werden die Reformation, der 30-jährige sowie der sieben- jährige und nicht zuletzt der Napoleonische Krieg.

 

Da Amelinghausen bis vor 50 Jahren ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf war, wird die ökonomische Situation der Bauern etwas eingehender betrachtet - die Zeit der Abhängigkeit vom Gutsherrn mit den vielschichtigen Abgabenarten bis hin zur Befreiung vom Lehnssystem in der Mitte des 19. Jahrhunderts (anhand von örtlichen Quellen). Dieser agrargeschichtliche Aspekt wird für die meisten Zuhörer von Interesse sein.

 

Der Bau der Kleinbahn (die spätere OHE) war für Amelinghausen eine Art Quantensprung in eine  moderne Wirtschaftsweise; die Bauern hatten jetzt die Möglichkeit, ihre Produkte gewinnbringend zu vermarkten.

1913 wurde die Kleinbahn eingeweiht. Der Erste Weltkrieg hat weitere Pläne zunichte gemacht. Amelinghausen sollte ein Verkehrsknotenpunkt für die Bahnverbindungen Lüneburg - Soltau und Winsen - Munster werden - das Areal des Bahnhofsgeländes war für diese Pläne ausgerichtet.

*Go: Von den Franken unabhängig von den Gaugrenzen  eingerichtete Bezirke, sogenannte 'Goe'. 

 

 Hans-Friedrich Müller ist in Amelinghausen-Sottorf geboren und aufgewachsen. Der pensionierte Gymnasialpädagoge (Englisch, Geschichte) und gelernte Landwirt ist als Mitglied im “Archivarbeitskreis der Samtgemeinde Amelinghausen  ein ausgewiesener Kenner der Geschichte seiner Heimatgemeinde. Sein besonderes Interesse gilt der Agrargeschichte.