Geschichte und Kultur in der Nordheide

Vortrag von Wulf Oelrich am 14.02.2018

Wulf Oelrich wähnt in der Lüneburger Heide, dieser künstlich entstandenen Landschaft, den weiträumigsten zusammenhängenden Umweltschaden, der jemals von Menschen auf deutschem Boden angerichtet wurde. Heute bildet der Truppenübungsplatz Bergen die größte zusammenhängende Heidefläche (für die Öffentlichkeit größtenteils nicht zugänglich). Ursprünglich war das Gebiet zwischen Hamburg und Wolfsburg, Schneverdingen und Uelzen bei nährstoffreichen Böden mit Buchen und Eichen bestanden. Der Holzeinschlag für den Hamburger Schiffsbau und die Lüneburger Salzsiederei wie auch die exzessiv betriebene Heidebauernwirtschaft führten zu einem kahlen Landschaftsbild, das bis zum Ende des 19. Jahrhunderts von Bewohnern und Außenstehenden nur als "schrecklicher Raum" empfunden wurde. Für die Heidebauern war das Leben doppelt schwer. Im Vergleich zu anderen Landwirten mussten sie zusätzlich 40 bis 70 Prozent ihrer Arbeitszeit mit Plaggenhieb und Torfstechen zubringen.

 Ab der Mitte des 19. Jhd. wurden die ausgemergelten Böden nach und nach wieder mit den relativ anspruchslosen, schnell wachsenden Baumarten Kiefer und Fichte aufgeforstet.

 Zur Umgestaltung in die heutigen Naturschutzgebiete hat vor allem die anhaltende Initiative des Egestorfer Heidepastors, Genossenschaftsgründers und Naturschützers Wilhelm Bode (1860 - 1927) entscheidend beigetragen.

 Dieser einzigartige menschliche Siedlungsraum hat durchaus kulturelle Eigenheiten vorzuweisen. Die bis in die Zeit Karls des Großen heidnisch gebliebenen Sachsen widersetzten sich mehr als 30 Jahre der Christianisierung, die faktisch erst ca. 300 Jahre später abgeschlossen werden konnte. Besonderheiten zeigen sich heute noch beim Kirchenbau - "Backsteingotik" und "gotischer Backsteinbau". Backsteine erwiesen sich ab etwa 1000 n. Chr. als kostengünstiger, lange haltbarer Baustoff. Zuvor waren die Kirchen aus Holz gebaut worden, wie man über archäologische Forschungen weiß.

 

Anhand alter Grenzsteine aus der Zeit der Kurhannoverschen Landesaufnahme ab 1774 schildert der Autor den Aufstieg der Kurfürsten aus Hannover zu englischen Königen und nach dem Sieg über Kaiser Napoleon Bonaparte von Frankreich den damit verbundenen Aufstieg zum Königreich Hannover im Zuge des Wiener Kongresses im Jahre 1814.

 Über das Ende des Königreiches berichtet Wulf Oelrich mit Rückgriff auf den Heimatschriftsteller Friedrich Freudenthal (1849 -1929) und dessen Teilnahme an der Schlacht bei Langensalza im Jahre 1866. Die Hannoveraner gewannen zwar das Gefecht, verloren aber, über ein Bündnis mit Bayern an der Seite Österreichs stehend, den Krieg. In der Folge wurde das Königreich Hannover nach nur 52 Jahren Bestand dem preußischen Staatsgebiet als Provinz eingegliedert.